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Vorschläge
zur Durchführung von Bridge-Kursen
1. Vorwort
Durch eine 20jähriger Erfahrung in der Bridgeausbildung und der Ansprache
anderer Bridgeclubs, Tipps zu geben, möchte ich auf diesem Weg Ratschläge zur
Durchführung von Bridge-Kursen für Anfänger weitergeben. Ich kann nur von den
Gegebenheiten vor Ort berichten, die sich örtlich auch anders darstellen können.
Es sollen nur Denkanstöße sein, eine optimale Kursgestaltung anzubieten.
2. Anfängerkurse anbieten
Das Bestreben eines jeden Bridge-Clubs sollte sein, selbst Kurse anzubieten und
durchzuführen. Die Absolventen bilden das Potential der künftigen Neumitglieder.
Die Eigenkontrolle der Kursdurchführung gewährleistet ihnen eine optimale
Nutzung der Lernbereitschaft der zu gewinnenden Teilnehmer.
2.1. Clubinterne Vorbereitung
Der örtliche Club sollte möglichst über zwei Übungsleiter verfügen.
Ausbildungskurse für Übungsleiter werden permanent im Verbandsblatt angeboten;
auch ist Ihr Landes-verband gern behilflich. Hierbei sollte es sich nur um
“Eigengewächse“ handeln, auch eine Kooperation mit befreundeten Nachbarclubs ist
denkbar.
Zwei Übungsleiter (oder erfahrene Spieler) haben einen enormen Vorteil für den
gesamten Ablauf.
· Durch Ausfall eines Dozenten muss der Unterrichtstag nicht ausfallen; einer
kann den Abend immer leiten. Bei fortlaufenden Kursen kommt es zu keinen
Termin-schwierigkeiten.
· Die Teilnehmer können sich auf die angegebenen Termine verlassen, es erfolgen
keine zeitlichen Umlegungen. Auch die Kursteilnehmer müssen planen.
· Die Unterrichtsaufteilung der Referenten sollte nach Theorie und Praxis
aufgeteilt werden. Dies stellt sich als sehr sinnvoll dar. Der freie
Übungsleiter kann die Kursteilnehmer beobachten und bei erkennbarem
Unverständnis sofort eingreifen.
· Bei der Auswahl von Unterrichtsräumen sollte darauf geachtet werden, dass
diese sich auch dort befinden, wo Sie die Clubturniere abhalten. Bei örtlich
getrennten Räumlichkeiten hat sich gezeigt, dass es nach den Kursen eine große
Hemm-schwelle für Interessenten ist, anschließend das Clublokal aufzusuchen.
Diese können Sie umgehen, wenn der Kursraum gleich dem Spiellokal entspricht; es
sind vertraute Räume.
2.2. Werbung von Kursinteressenten
· Der erste Schritt zur Werbung von Bridgeinteressenten läuft in der Regel über
die eigenen Clubmitglieder, wobei dieses Reservoir schnell erschöpft ist.
· Die lokale Presse kann sehr hilfsreich sei, wenn man einen persönlichen
Kontakt hierzu hat. Die Kursankündigungen erfolgen generell über den lokalen
Teil oder die Vereins-nachrichten, die meistens sehr spärlich, da gekürzt,
ausfallen.
· Erfolgreicher können Sie sich bei den “kostenlosen Hauszeitungen (Mittwochs
und Sonntags bei uns) präsentieren. Hier erscheinen Ihre Anzeigen fast so, wie
Sie es vorgeben.
· Nutzen Sie ihre internen Turniere für die Presse. Man interessiert sich für
jeden Beitrag. Lassen Sie Bilder vom Turnier in der Presse veröffentlichen, mit
dem Hinweis auf den nächsten “Bridgekurs für Anfänger“.
· Plakataktionen erzielten in den einschlägigen Geschäften immer gute Resonanz.
· Veranstalten sie einen „Tages der offenen Tür“ mit Presseeinladung. Der DBV
hält hierfür genügend Infomaterial bereit.
· Die Volkshochschulen beherbergen das Potential für unseren Sport. Über die
lokalen VHS kann sehr erfolgreich geworben werden. Lassen Sie Ihre Kurse über
die VHS laufen; Diese hat für uns das größte und vielschichtigste
Interessentenpotential gebracht. Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist auf
folgendes zu achten:
§ Generell nimmt die örtliche VHS Bridge-Kurse gern in Ihr Programm auf, denn
sie leben davon. Der DBV steht seit Jahren mit dem Dachverband der VHS in
Verbindung. Hier sind auch die Übungsleiter und Bridgelehrer bekannt, die
Bridgeunterricht erteilen dürfen.
§ Die angebotenen Kurse müssen sich für die VHS rechnen. Bei der festgelegten
Mindestteilnehmerzahl, die die Clubs selbst vorgeben, müssen die Kosten für die
VHS Null auf Null aufgehen, da für Bridgekurse keinerlei öffentliche Zuschüsse
fließen. An Kosten fallen in der Regel an:
1. Honorar (legt die VHS fest)
2. Lehrmaterial (hier gibt der BC die Kosten für Lehrbriefe, Kopien, usw.
bekannt)
3. die Mieten sind auszuhandeln. Erteilen Sie den Unterricht im gemieteten
Clublokal, beläuft sich die Mietbeteiligung in der Regel auf 50%, wobei die VHS
keinerlei Nebenkosten zu tragen hat.
4. das kostenlose Nutzen von Projektor und Leinwand der VHS stellt für die
Abende auch keine Probleme dar. Bei Nutzung externer Räume, muss der Club für
den Transport sorgen.
5. die Anzahl der angemeldeten Kursteilnehmer ist für die VHS der gravierende
Gradmesser. Erreicht der angebotene Kurs z.B. die Mindestteilnehmerzahl um eine
Person nicht, sagt die VHS von sich aus den Interessenten tel. ab; der Kurs
kommt nicht zustande. Hier sollten Sie sich kurz vor Kursbeginn mit der VHS in
Verbindung setzten. Das Gleiche gilt auch für die von Ihnen angegebene
Maximalzahl. Geben Sie z.B. eine Max-Zahl von 18 an, wird dem 19. Interessenten
abgesagt, da der Kurs belegt sei. Diese Vorgehensweise ist für einen EDV-Kurs
mit 18 Bildschirmen verständlich, nicht aber bei unserem Sport. Hier muss eine
entsprechende Zusammenarbeit gepflegt werden. Sie müssen vor einer Absage
informiert werden und dann selbst entscheiden.
6. Die Kursanmeldungen sollten zweispurig (Club / VHS) verlaufen. Hier müssen
die VHS-Sacharbeiter mitspielen. Bei jeder Kursankündigung muss die
Kontaktadresse des Clubs ersichtlich sein. Haben z.B. Interessenten Fragen
bezüglich des Bridgespieles, hat die VHS auf die entsprechende Clubperson
(Lehrer, Übungsleiter oder Vorstand) zu verweisen. Hier können dann die
Sachfragen geklärt werden.
Tipp: Vereinbaren Sie mit der VHS, dass sich die Kursteilnehmer zu
Unterrichtsbeginn auch beim Übungsleiter anmelden und auch zahlen können. Sie
besorgen sich von der VHS Anmeldeformulare und lassen diese in der ersten Stunde
ausfüllen und erledigen die Zahlungsmodali-täten (Bargeld gegen Quittung oder
Einzug durch die VHS). Durch diese kleine Mehrarbeit behalten Sie stets den
Überblick über Ihre Kursteil-nehmer. Die Abrechnung mit der VHS erledigen Sie
anschließend.
7. Eine Minderteilnahme im Anschlusskurs ist besonders prekär. Ist der
Anfängerkurs mit genügenden Teilnehmern erfolgreich beendet, sinkt
erfahrungsgemäß die Anmeldung zum Folgekurs um ca. 10 bis 20%. Hier bieten sich
zwei Wege an, um nicht den gesamten Kurs abzusagen, was für den Rest der
Bridgeneulinge fatal wäre, denn die bekommen Sie kaum mehr zurück:
o da die Mindestzahl und die Gebühren bereits festliegen, kann der Vorstand für
die fehlenden Kosten zeichnen; dies ist im Zug der Mitgliederwerbung zu
verbuchen.
o Ist dies nicht möglich, und eine diesbezügliche Verhandlung mit der VHS hat
noch nie zum Erfolg geführt, müssen die Altteil-nehmer bezüglich der Aufteilung
der Mindergebühren, ange-sprochen werden.
· Erachtet der Club die von der VHS errechneten Kursgebühren für zu hoch, kann
er aus der Clubkasse unter der Kostenstelle Nachwuchsförderung oder
Mitgliederwerbung zusteuern.
3. Kursdurchführung
Das Unterrichtsmaterial des DBV “FORMUM D“ als Grundsystem kann als “bedingt
geeignet“ empfohlen werden.
Bieten Sie alle 5 Themen der Schülermappen mit je 10 Lektionen an, ist der
Anfänger anschließend, nach knapp zwei Jahren, topp ausgebildet. Dies kann aber
nicht im Sinne einer Mitgliederwerbung sein; unter der Voraussetzung will kaum
einer Bridge lernen.
Das Bridgespiel soll in einem überschaubaren Zeitraum vermittelbar angeboten
werden.
3.1 Aufteilung der Einzelkurs
Unter der Prämisse, das praktische Spiel nicht zu vernachlässigen und das
Kursende nicht zu weit zu verschieben, hat sich ein Angebot von drei Durchgängen
herauskristallisiert.
1. Minibridge
Hier eignen sich die DBV-Unterlagen sehr gut und die Schülermappe kann 1:1
umgesetzt und als Unterrichtsmaterial den Teilnehmern ausgehändigt werden.
2. Aufbaukurs (Reizkurs)
Das Reizsystem nach “Forum D“ muss für eine Kurseinheit umgestaltet werden.
3. Bridge für Fortgeschrittene
Dieser Abschnitt behandelt die systemübergreifenden Konventionen und dient
zusätzlich einigen Clubmitgliedern zur Auffrischung bereits gelernter oder zur
Vervollständigung (2er Eröffnung, Sperransagen, As-Frage, Multi usw.).
Jede Kurseinheit läuft über 10 Tage; der Kurstag ist mit 2,5 Std. einschließlich
einer
15 minütigen Pause angesetzt.
3.2 Wann finden die Kurse statt
3.2.1.Teilnehmerzahl
Das Hauptkriterium einen Kurs zu starten ist die Teilnehmerzahl. Dies hängt von
verschiedenen clubinternen Fakten ab. Ideal sind 3 Tische, was folgendes
voraussetzt:
Minibridge. . ab 15 Teilnehmern
Aufbaukurs ab 12 Teilnehmern, ein gewisser Schwund zum Weitermachen der Anfänger
ist immer einzukal-kulieren.
Bridge für Fortgeschrittene der Kurs ist in der Regel der am stärksten
rekrutierte, denn Ihre Clubmitglieder wollen ihr Wissen immer mal wieder
auffrischen.
3.2.2 Termin
Der Jahreszyklus, wann die Kurse jeweils stattfinden sollen, bestimmen Sie. Das
Interesse bestimmt Ihre Werbung. Ein jährliches Angebot sollte man nur dann
verfolgen, wenn genügend Übungsleiter / Lehrer zur Verfügung stehen. Bezieht
sich die Ausbildung nur auf gleiches Lehrpersonen sollte aller zwei Jahre die
Werbung zum Anfängerkurs gestartet werden, denn die Ausbilder opfern 30 Tage im
Jahr der Schulung.
Als Kursbeginn bietet sich der Herbst an, wobei die Herbstferien auszuklammern
sind; ebenso die Vorweihnachtszeit. Der Aufbaukurs läuft von Jan. bis Ostern,
nach den Osterferien bis zum Sommerferienbeginn der Fortgeschrittenenkurs.
Die Uhrzeit des Kursbeginnes sind in der Regel die Abendstunden, da auch jüngere
berufstätige Interessenten angesprochen sind (ab ca.18.00 Uhr).
3.3. Aufbau der Kurse
Der einzelne Kurstag sollte drei Kriterien genügen.
§ Hausaufgaben müssen alle Teilnehmer lösen. Anhand dieser Ergebnisse erkennt
der Teilnehmer, ob er das besprochene Thema beherrscht und der Referent, ob er
entsprechend vermitteln konnte. Sollte eines der beiden Ziel nicht erreicht
sein, muss wiederholt werden.
§ Mindestens zwei praktische themenbezogene Beispiele vertiefen das
durchgesprochene Thema.
§ Nach dem Kursabend erhalten alle Teilnehmer die Unterlagen der angesprochenen
Themen.
Am letzten Abend der Teilkurse sollte ein kleines Turnier stattfinden. Die
Begeisterung lässt die Anstrengung vergessen. Auch erringen hier die ersten drei
Paare Urkunden und kleine Preise. Der Turniergedanke wird so angeregt.
3.4. Turnierübungsabende
Erklärt sich eine Absolventengruppe nicht gleich bereit, in das Clubleben
einzutreten,
können Übungsabende unter Turnierbedingungen angeboten werden. Hier sollten auch
kooperative Clubmitglieder eingebunden sein. Diese Maßnahme sollte 5 Abende
nicht
überschreiten, ansonsten bildet Sie sich eine “Kaffeebridgerunde“ heran.
Entstehen hierbei Kosten, sollten diese vom Club als Werbung für Neumitglieder
verbucht werden.
4. Weiterbildung der Clubmitglieder
Außer der Ausbildung von Neumitgliedern, sollte das Ziel des Clubvorstands sein,
die
Mitglieder weiterzubilden. Die Praxis bietet hier ein Angebot von einmal
monatlich, zu
festen Tagen, von ca. 1,5 Std. an. Die Teilnehmer sollten selbst frühzeitig den
Themen-kreis festlegen (Markieren, Gegenspiel, Multi,....) Anfallende Kosten
sollte der Club tragen.
5. Endbetrachtung
Die dargestellten Vorschläge beruhen auf langjähriger Erfahrung in unserem Club
und können bestimmt nicht überall 1 : 1 übernommen werden. Das war auch nicht
der Sinn der Ausführungen.
5.1. Beistand
Für Nachfragen, Info-Gesprächen oder Tipps stehe ich Ihnen jederzeit gern zur
Verfügung.
5.2. Vor Ortbesuch
Sollten Sie Schwierigkeiten sehen, die telefonisch nicht zu klären sind, Kontakt
zur Presse, Volkshochschule usw., sprechen Sie mich an, ich berate Sie auch
gerne vor Ort.
Dieses Schreiben sollte eine Unterstützung für die Ausbildung von Neumitgliedern
Ihres Clubs darstellen. Es erhebt keinen Anspruch auf Übertragbarkeit. Eventuell
zeigt es Anregungen auf.
Unser gemeinsames Ziel: Neumitglieder
Mit bridgefreundlichen Grüßen
A. Knauer
Bridge in der Schule

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