Startseite - Vorstand/Komm. Protokolle/Satzung Vereine Turnierkalender/Veranstaltungen
 Sportbetrieb/Turnierleiter Schulungen/Kurse Öffentlichkeitsarbeit Fotoalbum Links - Kontakt  -  Entdecke Bridge

  Öffentlichkeitsarbeit

Bridge – Ein Kartenspiel als geistiges Fitnesstraining

(Text eines Vortrages von A. Scheiner beim Verein der Freunde der FH Bingen) 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, 

Ich habe gerne die Anregung aufgegriffen, Ihnen heute etwas über ein Freizeitvergnügen zu erzählen, das in Deutschland, verglichen mit unseren europäischen Nachbarn, noch ein gewisses Schattendasein fristet.

Es handelt sich um ein Kartenspiel, um Bridge, um ein Spiel mit „des Teufels Gebetbuch“.

logisch - spannend - faszinierend

Allerdings hat der Zufall, das Glück, oder wenn Sie so wollen, der Teufel, beim Bridge kaum die Gelegenheit, Einfluss zu nehmen. Ich hoffe, ich kann Sie davon überzeugen. 

Wir alle haben schon einmal Spielkarten in der Hand gehabt.

Unsere Kinder beginnen schon früh Karten zu spielen. Schwarzer Peter, Mau-Mau, Canasta und Rommé sind beliebte Kartenspiele innerhalb der Familie. Später spielt man dann vielleicht Doppelkopf oder Skat, im Süden Deutschlands Tarock oder Schafkopf. Alle diese Spiele erfordern eine gewisse Kenntnis der Regeln, Aufmerksamkeit und Glück. Vor allen Dingen Glück, denn eine ausgefeilte Spieltechnik ist bei diesen Spielen nur selten nötig. Ich akzeptiere an dieser Stelle die Proteste der Skat- und Tarockspieler, erlebe es aber immer wieder, daß diese, wenn sie einmal Bridge gelernt haben, und es regelmäßig spielen, die übrigen Kartenspiele als uninteressant und langweilig ablehnen.

Was Bridge so faszinierend macht, ist die Tatsache, daß man immer einen Partner hat, mit dem man sich vor dem Abspiel, also während der sogenannten Reizung aber auch während des Abspiels der Karten gut verstehen muß, um ein optimales Resultat zu erzielen. Dieses Spiel zu zweit unterscheidet Bridge von Skat, Tarock u.s.w., Spiele bei denen immer ein einzelner Spieler gegen die beiden anderen Spieler spielen muß, der also alle Entscheidungen selbst treffen kann und muß. 

Der Grund dafür, daß ich der Einladung gerne gefolgt bin, liegt darin, daß sich alle Bridgespieler als Missionare für Bridge fühlen. Wir sind überzeugt davon, daß Bridge das persönliche Leben vieler Menschen enorm bereichern kann, und daß es zusätzliche geistige und intellektuelle Fähigkeiten zu wecken oder zu fördern vermag.

Es ist wissenschaftlich noch nicht zweifelsfrei erwiesen, daß Bridge die Alzheimer’sche Krankheit verhindert.

Nachgewiesen ist aber in einer über 10 Jahre angelegten vergleichenden Studie an älteren Menschen, daß Gedächtnistraining - Bridge wurde hier ausdrücklich erwähnt - und Entscheidungszwang das Eintreten der Altersdemenz um viele Jahre verzögern kann. Die Allgemeine Zeitung, Mainz, veröffentlichte kürzlich einen Artikel über dies Thema mit der Überschrift: „Auch das Gehirn braucht seine Liegestütze“ und zeigte im Bild eine Bridgespielerin. Schließlich sei noch eine große Bank in den USA erwähnt, die als Einstellungskriterium auch das Bridgespiel berücksichtigt. Bridgespieler können, nach Ansicht dieser Bank, Risikokriterien generell besser beurteilen als Nicht-Bridgespieler.

Tatsache ist, daß es viele Bridgespieler im hohen Alter gibt, die geistig topfit sind.  

Jetzt aber etwas über das Bridgespiel. Die kurze Zusammenfassung soll Ihnen vor Augen führen, wie komplex dieses Spiel ist, und daß die Behauptung der Steigerung geistiger Beweglichkeit auch belegt werden kann. Schließlich ist sie hoffentlich dazu geeignet, einigen unter Ihnen Appetit auf weitere Informationen zu machen.  

Inhalt des Vortrags:

Einleitung                                             Spielprämien
            Definition                                             Alleinspiel
            Die Karten                                          Gegenspiel
            Die Zielsetzung                                    Spieltechnik
            Blattbewertung                                    Turnierbridge
            Entscheidungstabelle                            Ethik, Offenheit und Fairness
            Die Reizung                                         Der Glücksfaktor
            Sans Atout                                          Die Bridgespieler
            Die Sprache im Bridge                        Verbreitung
            Systeme                                              Bridge an Schulen
            Konventionen                                      Zusammenfassung 

 

Definition 

 

„Bridge, aus dem Whist entstandenes Kartenspiel mit 52 Karten zwischen 4 Spielern, von denen je zwei eine Partei bilden. Die Partei, die zuerst zwei Spiele machen kann, gewinnt die Gesamtpartie“. Diese Definition aus dem Bertelsmann Lexikon 1990 ist zwar nicht ganz falsch, gibt aber so gut wie keine brauchbare Information. 

Richtig ist: Zwei Spieler bilden eine Partei und sitzen sich am Tisch gegenüber. Die beiden Spieler der anderen Partei sitzen an den beiden freien Seiten des Tisches. Die Parteien werden nach den Himmelsrichtungen benannt: N-S und O-W. Die beiden Spieler einer Partei spielen während der ganzen Partie miteinander.

Die Karten:

Gespielt wird mit einem Spiel das 52 Karten in vier Farben enthält. Sie kennen es vielleicht als „Rommé-Blatt“. Ein Skatblatt hat im Gegensatz dazu nur 32 Karten.

 

 

Die Farben haben unterschiedliche Werte und ihre Rangordnung ist Pik, Coeur Karo und Treff, d.h. Treff ist beim Bridge im Gegensatz zu Skat die Farbe mit dem niedrigsten Rang.
Jede Farbe besteht aus 13 Karten in der Reihenfolge A, K, D, B, 10, 9, ..., 2.
Die 5 höchsten Karten heißen Bilder, oder Honneurs oder Honors.


 

Vor dem Spiel werden die Karten gemischt und anschließend gleichmäßig im Uhrzeigersinn an die 4 Spieler ausgeteilt. Jeder Spieler erhält 13 Karten, die sein „Blatt“, seine „Hand“ darstellen.

Für die Mathematiker unter Ihnen: Gescheite Leute haben ausgerechnet, daß es über 635 Milliarden möglicher Verteilungen gibt, nämlich 521 über 391 * 13!

Zielsetzung des Spiels

 Das Ziel jeder Partei ist es, möglichst viele gemeinsame Stiche zu machen. Zu einem Stich geben alle 4 Spieler eine Karte zu. Die höchste Karte gewinnt den Stich für die Partei, deren Spieler diese Karte gespielt hat.

 

 

                           

 

 

 

 West gewinnt den Stich mit dem Buben

Es  kommt nicht darauf an, welche Karten oder Punktwerte, anders als bei Skat, in dem einzelnen Stich zusammengefallen sind. Nur die Anzahl der Stiche ist maßgebend. Um einen Stich zu machen, muß nicht immer eine hohe Karte (As oder König) gelegt werden. Sobald die hohen Karten einer Farbe weggespielt wurden, können auch kleine Karten z. B. eine 6 einen Stich machen.

Die maximale Zahl der möglichen Stiche, die eine Partei erzielen kann, beträgt 13.

Die Anzahl der Stiche, die eine Partei machen möchte, wird in einer Art Versteigerung, in der sog. Reizung, festgelegt.

Will eine Partei spielen, muß sie mindestens 7 Stiche (mehr als 50 % der möglichen Stiche) bieten. 

Blattbewertung 

Einen Anhaltspunkt zur Bewertung des eigenen Blattes und damit der Möglichkeit, Stiche zu machen bietet die Anzahl und der Wert der hohen Karten.Man gibt jedem As 4 Figurenpunkte (FP), dem König 3 FP, der Dame 2 FP und dem Buben 1.

 

  bis

    AS          KÖNIG       DAME           BUBE

          (4 FP)            (3 FP)           (2 FP)           (1 FP)         die Karten von 10 bis 2 zählen 0 FP

 

Das heißt, beim Verteilen der Karten werden insgesamt 40 FP verteilt, so daß im statistischen Mittel jeder der 4 Spieler 10 FP erhält. In diesem speziellen Fall wird keiner der Spieler ein Gebot abgeben, jeder wird „passen“ und die Karten werden neu gemischt und verteilt.

In der Regel ist die Verteilung der FP aber ungleichmäßig, d.h. eine Partei wird mehr FP erhalten als die andere.

Ein Spieler mit mindestens 12 FP soll die Reizung, die Auktion eröffnen. Wenn eine Partei zusammen 21 oder mehr Punkte besitzt, können im Allgemeinen mindestens 7 Stiche erzielt werden.

Es kommt darauf an, die angesagte Zahl von Stichen auch zu machen. Macht man sie nicht, hat man das Spiel verloren. Andererseits steigert sich der Gewinn für ein gewonnenes Spiel mit der Anzahl der angesagten Stiche überproportional, so daß sich jede Partei bemühen wird, einen möglichst hohen Kontrakt, also möglichst viele Stiche, anzusagen und diese auch zu machen.

Kontrakte im Grenzbereich zu spielen ist auch viel spannender, als klar zu gewinnende Spiele. Bereits kleinste Fehler oder Ungenauigkeiten können über Sieg und Niederlage entscheiden. 

Die Entscheidungstabelle 

Es gibt empirische Erfahrungen dazu, wie viele FP benötigt werden, um eine bestimmte Anzahl von Stichen machen zu können. Diese Erfahrungswerte sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst, die vor allem dem Bridgeanfänger hilft, das Risiko seiner Gebote zu minimieren.

Mit       202122 FP            können i.d.R.   7 Stiche gemacht werden
            222324 FP                                   8
            242526 FP                                   9
            262728 FP                                   10
            293031 FP                                   11
            ab    33 FP                                          12
            ab    37 FP                                          13

 Um die Sache noch zu komplizieren, gibt es auch sogenannte „Verteilungspunkte“ (VP). Ein Blatt wird umso spielstärker, je länger eine Farbe ist, d.h. je mehr Karten in einer Farbe vorhanden sind. In diesem Fall muß natürlich eine andere Farbe kurz sein, da sich ja nur 13 Karten in einer Hand befinden können. Man wird bestrebt sein, seine eigene lange Farbe als Trumpffarbe zu etablieren, um viele Karten derjenigen Farbe, in der man kurz ist, mittels Trumpf zu stechen.

So können für ein „Chicane“, d.h. 0 Karten in einer Farbe, noch 3 VP der Punktzahl des Blattes hinzugerechnet werden, für ein Single noch 2 VP und für ein Double, also nur 2 Karten in einer Farbe, noch 1 VP.

Mit einem extrem verteilten Blatt benötigt man also logischerweise weniger FP um z.B. 10 Stiche zu machen. 

Die Reizung 

Die Reizung, d.h. das Ersteigern eines Spiels gibt es auch bei anderen Kartenspielen. Skat- und Tarockspieler reizen auch um das Recht, Alleinspieler zu werden. Sie kennen vermutlich das 18, 20, zwo, drei usw. beim Skat.

Die Reizung beim Bridge ist viel subtiler. Sie erfolgt durch Gebote wie bei einer normalen Auktion. Ein Spieler gibt ein Gebot ab und muß oder kann dann vom nächsten Bieter überboten werden. Dabei spielt die Rangordnung der Farben eine wichtige Rolle. Es können sich alle vier Spieler an der Reizung beteiligen.

Die Reizung erfolgt mittels einer besonderen Sprache, eines Codes, der von dem „System“, das die Spieler spielen, bestimmt wird.

Der „Teiler“, also derjenige Spieler, der die Karten verteilt hat, darf als erster ein Gebot abgeben, d.h. die Reizung eröffnen. Wenn sein Blatt die nötige Punktzahl nicht enthält, wird er passen und sein linker Nebenmann ist an der Reihe.

 Beispiele: Man reizt seine längste Farbe als Trumpf(-vorschlag), weil man ohne Kenntnis des Blattes des Partners davon ausgeht, somit die meisten Stiche zu erzielen.

Die Eröffnung 1 © bedeutet also: Mein Blatt enthält mindestens 12 FP, es hat mindestens 5 Karten in der Farbe Coeur und ich verpflichte mich, mit den Karten meines Partners zusammen 7 Stiche (6+1) zu machen, wobei Coeur die Trumpffarbe sein wird.

Dieses Gebot kann nun von der Gegenpartei oder auch vom Partner überboten bzw. erhöht werden. Die Gegenpartei könnte z. B. 1 ª  bieten (Pik ist im Rang höher als Coeur), was bedeuten würde, daß nun die andere Partei sich anheischig macht, 7 Stiche mit der Trumpffarbe Pik zu machen. Je nach Stärke seines Blattes, kann sich nun auch der Partner des Eröffners in die Reizung einmischen und z.B. 2 © bieten, d.h. er bietet an, 6+2 Stiche zu machen, womit er das Gebot der Gegenpartei wieder überbietet.

Was ist Trumpf?  Trumpf ist in der Regel eine Farbe, in der man viele Karten besitzt und die man selbst bestimmt. Beim Bridge muß die ausgespielte Farbe bedient werden, solange man diese hat. Hat man sie nicht oder nicht mehr, kann der Stich mit einer Trumpfkarte gewonnen werden. Es gibt auch Spiele, bei denen keine Trumpffarbe festgelegt wird.

Ein wesentlicher Gesichtspunkt bei der Beurteilung der Karten und der sich daraus ergebenden Gebote, ist neben der Zahl der FP auch die Anzahl der Karten in der Trumpffarbe und wie bereits gesagt, eventuelle Kürzen in den übrigen Farben. Nicht zuletzt kann auch bewusst ein Kontrakt gereizt werden, den man zwar verliert, dabei aber weniger verliert, als die Gegenpartei gewinnen würde, wenn man sie nicht überboten hätte.

 Sie sehen, schon die Taktik des Reizens und die Möglichkeiten, die man hat, wenn man die andere Partei psychologisch richtig einschätzen kann, sind sehr vielfältig. 

Sans Atout – Kontrakte (d.h. Spiele ohne Trumpf) 

Die Beurteilung eines Blattes, ob es stark genug ist, um damit zu reizen, zu spielen und zu gewinnen, hängt also nach unserem bisherigen Wissensstand von den FPs ab und vom Vorhandensein einer langen Farbe, die zur Trumpffarbe deklariert werden kann. Es kann aber der Fall eintreten, daß ein Blatt zwar viele FP enthält, aber keine lange Farbe. Man spricht hier von einer gleichmäßigen Verteilung, deren Extrem bei 4 – 3 – 3 – 3 liegt.

Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die übrigen drei Blätter dieser Austeilung ebenfalls eine gleichmäßige Verteilung aufweisen, so daß die punktstärkere Partei keine Trumpffarbe findet, in der sie signifikant mehr Karten besitzt, als die Gegenpartei.

In einem solchen Fall gibt es die Möglichkeit, ein Spiel ohne Trumpffarbe zu bieten, das seine Stiche nur auf Basis der vorhandenen hohen Karten zu machen verspricht.  

Die Sprache des Bridge 

An dieser Stelle möchte ich den gesamten Sprachschatz des Bridgespiels vorstellen.

Während der gesamten Reizung dürfen nur 37 Vokabeln, d.h. Codewörter verwendet werden, die gleichzeitig die Höhe des angestrebten Kontraktes und die Trumpffarbe angeben.

Dies sind:

1 § (Treff)       1 ¨ (Karo)      1 © (Cœur)     1 ª (Pik)         1 SA (Sans Atout)
2 §                  2 ¨                  2 ©                  2 ª                  2 SA
3 §                  3 ¨                  3 ©                  3 ª                  3 SA
4 §                  4 ¨                  4 ©                  4 ª                  4 SA
5 §                  5 ¨                  5 ©                  5 ª                  5 SA
6 §                  6 ¨                  6 ©                  6 ª                  6 SA
7 §                  7 ¨                  7 ©                  7 ª                  7 SA

Hinzu kommen noch die Ansagen Kontra und Rekontra. 

Einer Reihe von klugen Leuten ist es gelungen, mit Hilfe dieses eingeschränkten Wortschatzes eine komplette und komplexe Sprache zu entwickeln. Inzwischen können wir nicht nur ausdrücken, was wir wollen. Wir können dem Partner Fragen stellen, wir können ihn zwingen, eine ganz bestimmte Farbe zu nennen, wir können ihm Farben nennen, die wir gar nicht haben und wir können ihn dazu bringen uns die Anzahl und Farben seiner Asse und Könige zu nennen.

Alles das geschieht mit Hilfe dieser 37 Gebote, die aber in bestimmten Situationen verwendet, ganz unterschiedliche Bedeutungen haben können. Um Ihnen einen Eindruck zu vermitteln, wie komplex die Bedeutung einzelner Gebote sein kann, hier einige Beispiele von Reizungen mit ihrem Kommunikationsziel: 

  

Eröffner:

 Partner

1 © .   Ich habe mindestens 12 FP  und 5 Karten in ©. Ich schlage meinem Partner vor, einen ©-Kontrakt zu versuchen, oder 

1 ª    Ich habe zwischen 6 – 20 FP und in meinem Blatt mindestens 4 Karten in ª. Bitte beschreibe Dein Blatt noch etwas näher.

   ©   Bedeutung s.o., oder .                                               

 

1 SA   Meine FP bewegen sich in der Spanne von 6 – 10 FP .Mein Blatt enthält keine 3 Karten in © und keine 4 Karten in ª

1 ©     1  © Bedeutung s. o..

 

 

 

 

 4 §      Partner Achtung!  Mein Blatt hat mindestens 3 schöne Karten in ©. Zusammen haben wir ausreichend Punktstärke um 10 Stiche zu machen. Außerdem bringe ich das As in § mit. Wenn Du nicht mit einem Minimumblatt eröffnet hast, nenne mir die Farben, in denen Du Asse an der Spitze hast, damit wir gemeinsam feststellen, ob wir nicht 12 Stiche ansagen können. Mit Minimum reize 4 © als Abschluss!  

Systeme 

Vorhin fiel das Wort „Systeme.“

Ein System beim Bridge bestimmt die „Sprache“, den Code, in dem sich die beiden Partner im Verlaufe der Reizung über die Stärke und die Zusammensetzung ihrer Blätter informieren, um den besten Kontrakt zu finden, der mit den gemeinsamen Blättern zu realisieren ist.

Es gibt verschiedene Systeme, nach denen gereizt werden kann. Sie sind sich im Prinzip alle ähnlich, unterscheiden sich aber voneinander wie z.b. Deutsch von Holländisch. Man weiß zwar, worüber gesprochen wird, die Details gehen einem aber vielleicht verloren.

Es kann vorkommen, daß das Paar auf N – S nach einem anderen System reizt, als das Paar auf O – W. In diesem Fall sind die beiden Paare gegenseitig auskunftspflichtig. Jeder Spieler ist berechtigt, die Bedeutung der gegnerischen Gebote zu erfragen und hat Anspruch auf eine korrekte und erschöpfende Antwort.

Daneben gibt es noch sogenannte 

Konventionen 

Eine Konvention ist eine Vereinbarung zwischen den Partnern, einem Gebot, das während der Reizung abgegeben wird,  eine ganz bestimmte, vom System abweichende Bedeutung zu geben. Eine Reihe von Konventionen ist in alle Systeme eingebaut und deshalb auch allgemein verständlich. Einige Gebote können aber drei oder mehr unterschiedliche Bedeutungen haben. In diesem Fall muß die Partei, die diese Konvention verwendet, ihre Gegner sogar ausdrücklich darauf aufmerksam machen, daß es sich um ein „künstliches“ Gebot handelt, das nicht mehr die ursprüngliche Bedeutung besitzt. 

Spielprämien 

Nach Abschluss des Spiels wird überprüft, ob der Alleinspieler mindestens die in der Auktion „reklamierte“ Anzahl von Stichen erzielt hat. Dann erhält er eine positive Anschrift. Hat er weniger Stiche erzielt, als vorab erklärt, haben die Gegenspieler gewonnen.

Wie bereits im Absatz zur Blattbewertung erwähnt wurde, gewinnt ein Spieler, der seinen angesagten Kontrakt erfüllt, gemeinsam mit seinem Partner, eine bestimmte Prämie. Es gibt Kontrakte auf der Dreier- oder Viererstufe, in denen man sich verpflichtet hat, 9 oder 10 Stiche zu machen, für deren Erfüllung besondere Extraprämien ausgesetzt sind.

Ein Spieler, der ein Gebot für 7 Stiche mit Pik als Trumpf abgegeben hat, aber 10 Stiche macht, gewinnt 170 Punkte. Sagt er aber 10 Stiche an, und erfüllt seinen Kontrakt, gewinnt er 420 Punkte. Dafür ist aber auch das Risiko wesentlich größer, den Kontrakt nicht erfüllen zu können, also vielleicht nur 9 Stiche zu machen und den Gegenspielern für das Schlagen des Kontraktes eine Verlustprämie zahlen zu müssen.

Für Spiele in denen man 12 oder gar alle 13 Stiche ansagt gibt es darüber hinaus noch besondere Prämien.

Das Risiko eines hohen Kontraktes steigt mit dem Eingreifen der Gegenspieler in die Reizung. In diesem Fall haben die Gegenspieler vermutlich ebenfalls eine gewisse Menge an FP, die Ihnen eine Gewinnerwartung erlaubt.  

Alleinspiel 

Die Reizung ist zu Ende, wenn drei Spieler nacheinander kein Gebot mehr abgegeben, also gepaßt haben. Gespielt wird der Kontrakt, der vor dem dreimaligen Passen als Letzter geboten wurde. Zum „Alleinspieler“ wird derjenige Spieler, der zuerst die Farbe genannt hat, die schließlich zur Trumpffarbe wird. Alleinspieler wird er deshalb genannt, weil sein Partner nach dem Ausspiel, das der links vom Alleinspieler sitzende Gegenspieler ausführt, die Karten für alle sichtbar, auf den Tisch legt – man sagt, er wird zum Dummy. Er führt in diesem Spiel nur noch die Anweisungen des Alleinspielers aus. Das Recht des Ausspiels, also des Angriffs gegen den gebotenen Kontrakt, steht immer den Gegnern zu. Damit erhalten sie einen Ausgleich für den Verlust der Reizung. Der Alleinspieler hat den Vorteil, im ersten Stich als Letzter seine Karte zugeben zu müssen.

Der Spielplan des Alleinspielers sollte, nachdem sein linker Gegner ausgespielt und sein Partner die Karten auf den Tisch gelegt hat, folgende Überlegungen berücksichtigen: 

-         Welche und wie viele Stiche kann ich auf Anhieb machen?

-         Wie viele  Stiche muß ich noch entwickeln, um den Kontrakt zu erfüllen?

-         Erhalte ich aus der Reizung Anhaltspunkte darüber, wie die restlichen Karten verteilt sind d.h. Was haben die Gegenspieler gereizt bzw. nicht gereizt?

-         Wie müssen die restlichen Karten verteilt sein, um den Kontrakt zu erfüllen und welche Taktik muß ich anwenden?

-         Spricht die Wahrscheinlichkeit dafür oder dagegen, daß meine Annahmen richtig sind?

-         Welche Alternativen habe ich, wenn meine Annahmen nicht zutreffen? 

Gegenspiel 

Die Gegenspieler, also die Spieler der anderen Partei, werden sich bemühen, den Alleinspieler nicht gewinnen zu lassen, den Kontrakt, wie man sagt, fallen zu lassen. Das Gegenspiel ist der schwierigste Teil des Bridgespiels. Als Gegenspieler kenne ich zwar mein eigenes Blatt und das Blatt des Dummys, nachdem es auf den Tisch gelegt wurde, ich kenne aber nicht das Blatt meines Partners, der u. U. an der Reizung gar nicht beteiligt war. Anhand der Gebote während der Reizung und ihrer Bedeutung sowie der Karten des eigenen Blattes und des Blattes des Dummy müssen Alleinspieler und Gegenspieler die Position der „unsichtbaren“ Bilder mittels logischer Überlegung, Wahrscheinlichkeitsberechnung, dem Ausspiel und dem Verlauf des Spiels zu erkennen versuchen.

Für das Gegenspiel ist es besonders wichtig, Vereinbarungen darüber zu treffen, welche Bedeutung einzelne Karten oder die Reihenfolge der gespielten Karten haben können. Es werden sogenannte Signale vereinbart, die den Partner darüber informieren, wie viele Karten man in der gespielten Farbe hat, ob die gespielte Farbe Erfolg verspricht, oder nicht und in welcher Farbe man ggf. noch einen Stich machen zu können glaubt. Natürlich muß auch die Methodik dieser Signale dem Gegner offengelegt werden. Die Signalgeber profitieren aber in der Regel mehr von diesen Signalen als der Alleinspieler, der sie natürlich auch erkennen und die Information ausnützen kann.

Das Geben von Signalen mit Hilfe der gespielten Karten bedeutet kein Mogeln oder Betrügen, im Gegensatz zu Gesten,  Zwinkern oder Treten unter dem Tisch. 

Spieltechnik 

Bei der Technik des Spiels, die beiden Parteien zur Verfügung steht, möchte ich nur zwei Beispiele zur Komplexität des Spiels anführen.  

Erstes Beispiel:

In meinem Blatt auf West habe ich in einer Farbe: A K B 10 9. mein Partner auf Ost legt in dieser Farbe die 4 3 2 auf den Tisch. Zusammen haben wir 8 Karten in dieser Farbe. Es sind also insgesamt 5 Karten in dieser Farbe in den beiden gegnerischen Händen verteilt.

Mein Problem: Ich möchte 5 Stiche in dieser Farbe machen, darf also keinen Stich an die D verlieren.

Die Wahrscheinlichkeitsrechnung besagt, daß die fünf fehlenden Karten in 68% aller Fälle bei den Gegnern 3 und 2 verteilt sind, in 28% 4 und 1 und in 4% aller Fälle 5 und 0.

In diesem Fall habe ich zwei Optionen.

1.  Ich spiele das As und den König und hoffe, daß die Dame single oder double sitzt. Dann mache ich 5 Stiche in dieser Farbe. Meine Chance beträgt 2/5 von 68% plus 1/5 von 28 %, zusammen also 27,2 + 5,6 = 32,8%. In 1/3 aller Fälle werde ich also mit dieser Spielweise die Dame fangen und 5 Stiche machen.

2. Ich kann annehmen, daß die Dame bei Süd, also in der Hand sitzt, die sich vor meinen Bildern auf West befindet. Ich muß in dieser Situation eine kleine Karte aus der Osthand spielen, und für den Fall, daß Süd die Dame nicht legt, versuchen, den Stich mit dem Buben zu machen. Dies hat immer Erfolg, wenn der Südspieler tatsächlich die Dame besitzt. Diese Spielweise nennt man „Schneiden“. Diesen „Schnitt auf die Dame“ kann ich wiederholen, indem ich nochmals eine kleine Karte von Süd in dieser Farbe spiele. Meine Chance, fünf Stiche zu machen, liegt im Fall eines Schnittes bei 50%, da die Dame bei Süd oder bei Nord sitzen kann.

Die Wahrscheinlichkeit, daß Süd die Dame besitzt, steigt oder sinkt dadurch, wenn Süd oder Nord sich in die Reizung eingeschaltet und damit einen bestimmten Besitz an Punkten gezeigt haben. 

Ein zweites Beispiel:

West hat in einer Farbe: A K 5 4 3 2. Ost hat in dieser Farbe die 7 und die 6.

Das Problem: Ost – West müssen in dieser Farbe 5 Stiche machen.

Wieder kann davon ausgegangen werden, daß die restlichen 5 Karten in dieser Farbe in den beiden gegnerischen Händen in über 2/3 aller Spiele 3 – 2 verteilt sitzen. Es hätte also gar keinen Zweck, das As und den König abzuspielen und zu hoffen, dann die restlichen Stiche in dieser Farbe zu machen, denn eine Karte, höher als die 7 bleibt bei den Gegenspielern auf jeden Fall übrig. Um tatsächlich 5 Stiche zu machen sind zwei Voraussetzungen notwendig: Erstens müssen die Karten bei den Gegnern tatsächlich 3 und 2 verteilt sein, und zweitens muß West im ersten Stich in dieser Farbe eine kleine Karte bedienen. Dadurch geht der erste Stich in dieser Farbe zwar verloren, aber Ost hat immer noch eine Karte, mit der er die Westhand erreichen kann. Nachdem die Gegenspieler aber zwei Karten in dieser Farbe bereits gespielt haben, sind die verbleibenden 3 Karten jetzt 2 – 1 verteilt und wenn West jetzt As und König spielt, sind alle gegnerischen Karten in dieser Farbe gefallen und West macht die restlichen drei, also insgesamt 5 Stiche. Diese Spieldurchführung nennt man „Coup à blanc“. 

Es gibt weitere solche Beispiele und zu vielen dieser Beispiele auch Empfehlungen zur Spieldurchführung, die auf Wahrscheinlichkeiten der Verteilung der Karten beruhen, die ich aber aus Zeitgründen nicht weiter ausführen möchte. 

Turnierbridge 

Bridge ist ursprünglich ein Gesellschaftsspiel.

Es wurden aber schnell Möglichkeiten entwickelt, auch Turniere zu spielen, bei denen nicht das Kartenglück die wesentliche Rolle bei der Ermittlung der Gewinner spielt, sondern die „relativ beste Behandlung“ von Austeilungen, die mehrfach von verschiedenen Spielern gespielt werden. Dazu werden identische Kartenausteilungen an verschiedenen Tischen gespielt, womit eine Vergleichbarkeit der Resultate der unterschiedlichen Spieler erreicht wird.

Es gibt Clubmeisterschaften, Bezirks- und Landesmeisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympiaden.

Bei einem Paarturnier spielt ein Paar während des ganzen Turniers zusammen gegen möglichst alle anderen Paare. Es gewinnt immer ein Paar.

Bei einem Individualturnier wechselt man nicht nur die Gegner, sondern auch die Partner. Hier gewinnt ein einzelner Spieler das Turnier.

Bei einem Teamturnier spielt eine Mannschaft, bestehend aus zwei Paaren, jedes Spiel sowohl auf der N – S Achse als auch auf der O – W Achse gegen eine andere Mannschaft um auf diese Weise jeden möglichen Zufall auszuschalten. Weltmeisterschaften und Olympiaden werden nur als Teamturnier ausgetragen.

Bridge ist ebenso wie Schach ein Sport, bei dem nicht körperlich, sondern intellektuell gekämpft wird. Bei großen Bridgeturnieren, die über eine längere Distanz gehen, wird das deutlich. Nicht alle Spieler können während eines langen Turniers ihre Konzentration auf dem notwendigen Niveau aufrechterhalten. 

Ethik, Offenheit und Fairness 

Dadurch, daß die Gebote aller vier Spieler am Tisch öffentlich abgegeben werden, d.h. von allen Spielern gehört und gesehen werden, und dadurch, daß die Systeme erklärt und auf die persönlichen  Konventionen und Absprachen ausdrücklich hingewiesen werden muß, bekommt das Bridge einen ähnlichen Charakter wie das Schachspiel, wo auch jeder Spieler das ganze Feld überblickt. Es verliert dadurch den Glücksspielcharakter anderer Kartenspiele.

Der Unterschied zum Schach liegt in der Zahl der Spieler und darin, daß jeder Spieler immer einen Partner hat, der alle Entscheidungen mittragen muß und u. U. ganz andere Pläne verfolgt.

Es ist Pflicht, bei größeren Bridgeturnieren den Mitspielern eine sogenannte Konventionskarte vorzulegen, auf der das System selbst und alle Abweichungen vom System dargestellt werden. Ebenso müssen alle Konventionen bis hin zu der vereinbarten Methode des Ausspiels und den anderen Vereinbarungen der nonverbalen Kommunikation mit Hilfe der Spielkarten aufgeführt werden. 

Der Glücksfaktor beim Bridge 

Bridge ist kein Glücksspiel. Es gibt keine guten oder schlechten Karten.

Zwischen den vom Glücksfaktor unabhängigen Spielen, wie Schach, und den reinen Glücksspielen wie Roulette spannt sich ein weiter Bogen. Je mehr sich ein Spieler aktiv in das Spielgeschehen einschalten, und es durch sein Können beeinflussen kann und will, desto eher wird er sich für ein Spiel entscheiden, bei dem der Zufall so gut wie keine Rolle spielt.

Es ist natürlich vom Zufall abhängig, welches Blatt ein Spieler beim Teilen der Karten erhält. Der Faktor Glück hört aber bereits auf, eine Rolle zu spielen, wenn das selbe Blatt in einem Turnier an mehreren Tischen von unterschiedlichen Spielern gespielt wird und dann nur noch das eigenen Können bzw. das Können der Gegenspieler bewertet wird.

Wie wir gesehen haben, kann nicht nur der Alleinspieler mit einem guten Blatt, sondern es können auch die Gegenspieler mit Blättern, die wenig FP enthalten, Lorbeeren gewinnen. Sehr oft läßt  es sich nicht vermeiden, daß der Alleinspieler seinen Kontrakt gewinnt. Durch Aufmerksamkeit und gutes Spiel können die Gegenspieler aber oft verhindern, daß der Alleinspieler mehr Stiche macht, als er geboten hat. Auch der Alleinspieler darf sich nicht auf seinem guten Blatt ausruhen, sondern muß konzentriert sein Spiel spielen, um im Vergleich mit den anderen Spielern in einem Turnier nicht schlechter abzuschneiden, als der Durchschnitt. Der Charakter des Bridgespiels liegt zwischen Skat – ähnlich durch die Auktion, einen Kontrakt zu ersteigern – und Schach – Maximierung des Ergebnisses durch Gedächtnis, Kombinatorik, psychologischem Einfühlungsvermögen und Anwendung von statistischen Wahrscheinlichkeiten.

Der Bridgespieler muß alle seine Fähigkeiten, wie z: B. Nervenkraft, Konzentrations-vermögen, Beherrschung der Reizung und der Spieldurchführung, sowie Selbstbeherrschung einsetzen, und versuchen, in fairem Wettbewerb zu gewinnen.

Dem Anfänger des Bridgespiels wird es wie einem Hochspringer gehen: Am Anfang wird er die Latte oft reißen, sie aber freiwillig auch immer wieder höher legen, wenn er mit der Enttäuschung und Frustration fertig werden kann, nicht sofort alles zu beherrschen.

Die Bridgespieler 

In der Öffentlichkeit herrscht ein Bild  der Bridgespieler vor, das nur in einem sehr begrenzten Maße zutrifft. Natürlich gibt es die älteren Damen, die sich zum Nachmittagskaffee treffen um dann auch ein Stündchen Bridge zu spielen. Und auch in vielen Bridgeclubs, in denen man ernsthaftes Turnierbridge spielt, liegt das Durchschnittsalter der Mitglieder oberhalb von 60 Jahren. Dies ist auch ganz natürlich, da viele Spieler erst im Rentenalter genügend Zeit haben, diese ihre Leidenschaft auszuleben.

Betrachtet man aber die Spitzenspieler im Bridge, so sind es meistens jüngere Personen. Im Alter haben nicht mehr alle Spieler ausreichend Kapazitäten, um längere Turniere in aller Frische, die man dafür braucht, durchzustehen. Deshalb missioniere ich auch für Bridge bei jungen Leuten. Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß es viel leichter ist, Bridge in jungen Jahren zu lernen und auch sich darin zu perfektionieren, als als älteres Semester. Ich habe selbst als Student angefangen, Bridge zu spielen, übrigens nach einem fast vorsintflutlichen System, und weiß anhand meiner derzeitigen Bemühungen, älteren Leuten Bridge nahe zu bringen, daß diese Aussage richtig ist.

Auch der folgenden Empfehlung: „Lerne gut aus den Fehlern Deiner Mitspieler! Du lebst nicht lange genug, um alle selber zu machen“, kann man als junger Mensch leichter nachkommen.  

Wenn man Bridge einigermaßen beherrscht, kann es auch für Anfänger zu einem wahrhaft intellektuellen Vergnügen werden, das eine enorme Befriedigung nach einer guten Reizung und intelligentem Alleinspiel verschafft. Denn Psychologie, Strategie, Kombinationsgabe, gute Wahrscheinlichkeitsrechnung und räumliche Vorstellungskraft müssen zusammenkommen um ein schwieriges Spiel zu gewinnen 

Andererseits ist Bridge ein Spiel, an dem Freundschaften zerbrechen können, wenn sich die Partner nicht richtig verstehen, vereinbarte Konventionen vergessen, einfach zu rechthaberisch sind oder öfters schlecht spielen. Insofern könnte man es als echten Volkssport bezeichnen. Es gibt die folgende Geschichte, die immer wieder kolportiert wird:

In Kansas City wurde eine Frau von der Anlage des Mordes im Affekt an ihrem Mann und Bridgepartner freigesprochen. Sie hatte ihn am Spieltisch erschossen, als er sein Spiel verlor. Der Richter ließ sich das Blatt zeigen und erklärte dann der Jury: „Natürlich hätte er in dieser Situation Trumpf spielen müssen!“

Trotzdem, Bridgespieler sind meistens freundliche und gebildete Personen mit denen man sich gut und gescheit unterhalten kann. Außer am Bridgetisch. Hier können sie grob und giftig werden. Deshalb empfehle ich auch allen Ehepaaren, sich beim Bridge zu trennen und andere Partner zu suchen, denn Alfred Sheinwold, ein sehr guter amerikanischer Bridgespieler, soll einmal gesagt haben:

Der durchschnittliche Vorrat eines Menschen an Höflichkeit muß für ein ganzes Leben reichen. Man sollte sie deshalb nicht an seinen Bridgepartner verschwenden.“

Es muß aber hinzugefügt werden, daß, je besser einer Bridge spielt, umso freundlicher und nachsichtiger wird er seinen Mitspielern gegenüber. 

Die Verbreitung des Bridge 

Die Niederlande haben gemessen an ihrer Einwohnerzahl die meisten Bridgespieler. Hier wird Bridge bereits in der Schule gelehrt und ist so populär wie Skat in Deutschland. 

Land               Bridgespieler             Einw.               je 1000   Schulunterricht

            Niederlande                93.500             15 Mio                6,2                ja
Frankreich                  88.000             58 Mio                1,5                ja
Italien                          31.000             58 Mio                0,5                ja
Großbritannien           28.000             58 Mio                0,5               nein
Deutschland                27.000             81 Mio                0,3              nein
Dänemark                   22.000             5,2 Mio              4,2                 ja

 

Deutschland ist hinsichtlich der Zahl seiner Bridgespieler fast das Schlusslicht in Europa mit nur 28.000 Spielern. Frankreich hat fast 100.000 Bridgespieler registriert.

Als Bridgespieler findet man Anschluss in der ganzen Welt

Sehr gute Bridgespieler Europas kommen aus Italien, Frankreich, England und Österreich.

Briten, Franzosen, Italiener und Amerikaner haben unterschiedlichen Systemen und Konventionen ihre Namen gegeben. Selbstverständlich zählen auch die USA zu den großen Bridgenationen.

Regelmäßige Teilnehmer an den Weltmeisterschaften bei den Herren sind USA, Brasilien, China, Italien und Frankreich, bei den Damen zählt in den letzten Jahren auch Deutschland zu den Favoriten.

In Deutschland werden Meisterschaften für Schüler, Studenten, Herren, Damen, Mixed Paare und Senioren ausgerichtet. 

Bridge an Schulen und Universitäten 

Im Gegensatz zu Frankreich und den Niederlanden findet die Idee, das Gehirn der Schüler nicht nur mit dem Lehrplan der Schule, sondern auch mit Bridge zu trainieren, in Deutschland bei den Verantwortlichen im Kultusministerium noch wenig Gegenliebe. So gibt es bei uns bisher nur wenige Schulen, in denen Bridge zwar kein Lehrfach ist, aber in Arbeitsgemeinschaften betrieben wird. Diese Schulen liegen in Bayern, Nordhessen und Niedersachsen. In Rheinland – Pfalz sind wir gerade dabei, Schulen zu finden, die bereit sind, den Versuch mit einer Bridge AG zu erlauben.

An einigen Universitäten, z. B. Darmstadt, Göttingen, Braunschweig und Hannover gibt es bereits Clubs oder richtige Bridgeschulen für Studenten.

Der häufig gehörte Einwand gegen Bridge, daß es zuviel Zeit koste, die eigentlich dem Studium zugute kommen müsste, scheint dort nicht zu gelten, denn sehr viele bridgespielende Studenten beenden ihr Studium nicht nur mit guten Abschlüssen sondern auch als gute Bridgespieler.

Was wir in ganz Deutschland brauchen, sind mehr  junge Leute, die Bridge als Sport verstehen und diesen mit Vergnügen betreiben. Wir, die älteren Bridgespieler, müssen immer wieder versuchen, die Jugend in Schule und Uni zu bewegen, sich auch mit dieser Materie einmal auseinander zu setzen. 

Bridge als Sport? 

Der Welt-Bridge-Verband bemüht sich darum, daß Bridge, wie Schach, als Sport anerkannt wird. So wurde Bridge bei der letzten Winterolympiade bereits zur Probe und Demonstration vorgeführt und geprüft, ob die Voraussetzungen für einen „Sport“ gegeben sind.

In Deutschland beginnt der Deutsche Bridgeverband in Niedersachsen eine Zusammenarbeit mit dem Turnerbund in der Art, daß die Bridger mitturnen und die Turner Bridge spielen. Dies bedeutet für beide Parteien ein optimales Fitnesstraining für Körper und Geist. 

Zusammenfassung 

Bridge ist ein Kartenspiel, das eine Reihe von Fähigkeiten erfordert, trainiert und verbessert: 

-         Strategisches Denken
-         Gedächtnis
-         Räumliches Vorstellungsvermögen
-         Taktisches Können
-         Konzentrationsvermögen
-         Psychologie und Menschenkenntnis
-         Kooperationsbereitschaft

 Bridge kann sehr gesellig sein. Bei ernsthaftem Bemühen, ein Turnier zu gewinnen, können die Spieler aber schnell ungesellig und verbissen werden. Das passiert nicht, wenn man es als Spiel betrachtet, was es ja auch ist.

Für die Konzentration beim Spiel braucht man Ruhe. Es ist somit nichts für ein Spiel in der Kneipe. Besser spielt man zu Hause, en famille, oder in einem der fast 500 Bridgeclubs in Deutschland.

Bridge kann nicht so schnell gelernt werden, wie Skat oder Doppelkopf. Es ist aber auch nicht so schwer, wie manchmal dargestellt wird. Wie sonst könnten auch die älteren Spieler, als deren Spiel Bridge häufig abfällig zitiert wird, und von denen es eine große Zahl gibt, das Spiel noch so elegant und begeistert betreiben?

Um sich das notwendige Grundwissen anzueignen, das man braucht, um in einem Turnier nicht immer als Schlusslicht zu enden, sollte man ca. 30 Lerneinheiten investieren. Die meisten Bridgeclubs bieten Kurse an.

Bridge sollte man als junger Mensch lernen.

Erstens kapiert man es dann schneller und leichter, und hat die Chance, zum Meisterspieler aufzusteigen, die man nicht mehr hat, wenn man erst mit 60 Jahren beginnt, obwohl es auch mit 60 oder 70 natürlich noch großen Spaß macht.

Zweitens haben Bridgespieler ein ganzes weiteres Leben lang, bis ins hohe Alter, einen phantastischen Zeitvertreib, den man fast überall in Gesellschaft, auch überall im Ausland ausüben kann.

Drittens ist es das schönste, interessanteste und intelligenteste Spiel, das ich kenne. 

Aber auch für die älteren Semester habe ich noch einen Trost und eine Anregung dabei:

B - ridgespielen

R - eaktiviert

I  - deal

D - einen

G - eist

E - meritus!